Humboldt-Forschungspreis: Renommierter Historiker Gwyn Campbell forscht in Halle

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat dem Historiker Prof. Dr. Gwyn Campbell von der McGill University in Montreal, Kanada den Humboldt-Forschungspreis zuerkannt. Damit werden seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Indian Ocean Studies gewürdigt. Das mit der Auszeichnung verbundene Preisgeld verwendet Campbell für mehrere Forschungsaufenthalte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Zusammen mit seinem Gastgeber, dem Ethnologen Prof. Dr. Burkhard Schnepel, wird er unter anderem zur Verbreitung von Krankheiten im Gebiet des Indischen Ozeans forschen.

 

Gwyn Campbell (Jahrgang 1952) ist einer der Pioniere der Indian Ocean Studies, die sich aus kultur- und geschichtswissenschaftlicher Sicht mit dem maritimen Großraum des Indischen Ozeans befassen. In Halle will Campbell neue Impulse für diese Forschung liefern. Im Zentrum seiner Untersuchungen steht die Wechselbeziehung von Mensch und Umwelt. “Dabei hinterfragen wir die bisherige Sichtweise, die den Menschen als maßgeblichen Faktor für die historischen Veränderungen verantwortlich macht. Stattdessen betrachten wir, wie menschliche Einflüsse – etwa Handel, Migration und Krieg – mit Umwelteinflüssen – wie Klima und Monsunen – und historische Entwicklungen zusammenhängen”, sagt Campbell.

Gwyn Campbell wurde an der University of Wales mit einer Arbeit über den Einfluss christlicher Missionare im Madagaskar des 19. Jahrhunderts promoviert. Mit zahlreichen Publikationen im Bereich der Indian Ocean Studies hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten weltweit einen Namen gemacht und ist Herausgeber der Buchreihe “Indian Ocean World Studies”, die im Verlag Palgrave Macmillan erscheint. Seit 2004 lehrt der Historiker an der McGill University, wo er auch das Indian Ocean World Centre gegründet hat. Seine Forschung wird seit 2005 über einen Canada Research Chair gefördert. Damit verbunden ist ein jährliches Preisgeld in Höhe von 200.000 kanadischen Dollars, das nur an international ausgewiesene Wissenschaftler an kanadischen Universitäten vergeben wird.

Burkhard Schnepel sieht in der Zusammenarbeit mit Campbell eine Bereicherung: “Ich freue mich, die bereits seit 2013 laufende interdisziplinäre Kooperation mit einer der angesehensten Koryphäen in einem in Deutschland vernachlässigten Forschungsfeld fortsetzen und vertiefen zu können”, sagt er. Schnepel ist Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Regionalstudien (ZIRS) der MLU. Ein Arbeitsschwerpunkt des ZIRS sind die Indian Ocean Studies, die Schnepel auch am Institut für Ethnologie sowie in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Ethnologie in Halle als Max Planck Fellow mit einem Programm zum Thema “Connectivty in Motion: Port Cities of the Indian Ocean” betreibt.

Mit dem Humboldt-Forschungspreis werden durch die Alexander von Humboldt-Stiftung Wissenschaftler für ihr Gesamtschaffen ausgezeichnet, deren grundlegende Entdeckungen das eigene Fachgebiet nachhaltig geprägt haben und von denen weitere Spitzenleistungen erwartet werden. Die Preisträger können selbst gewählte Forschungsvorhaben in Deutschland in Kooperation mit Fachkollegen durchführen. Der Preis ist mit 60.000 Euro dotiert.

Website von Gwyn Campbell: https://www.mcgill.ca/history/gwyn-campbell

Weitere Informationen zum Humboldt-Forschungspreis: http://www.humboldt-foundation.de/web/humboldt-preis.html

 

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Burkhard Schnepel

Seminar für Ethnologie

Telefon: + 49 345 55-24190

E-Mail: burkhard.schnepel@ethnologie.uni-halle.de

Web: www.ethnologie.uni-halle.de


Publiziert am 15.12.2016