2015_11_18_Smartmembranes

Fraunhofer-IWM-Ausgründung SmartMembranes kooperiert mit Biosensor-Anbieter Axela

Membranen mit feinsten, extrem symmetrischen Poren, die Nanopartikel oder Viren und Bakterien herausfiltern können – mit diesem weltweit einzigartigen Angebot hat sich die SmartMembranes GmbH, eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM in Halle, auf dem Markt etabliert. Nun hat das Unternehmen eine Kooperationsvereinbarung mit Axela, Inc. aus Kanada unterzeichnet. Die Firma wird die Membranen aus Halle nutzen, um DNA-Bausteine zu erkennen.

 

Die Besonderheit der Membranen von SmartMembranes, die aus Aluminiumoxid oder Silizium bestehen, ist die hohe Symmetrie und Einheitlichkeit der Poren. Form und Größe können durch ein spezielles elektrochemisches Ätzverfahren genau eingestellt werden – nur das Start-up aus Halle beherrscht diese Technologie. Die kleinsten Poren haben einen Durchmesser von nur 20 Nanometern, sodass sich selbst winzigste Bestandteile herausfiltern lassen. Insbesondere eignen sich diese Materialien, die durch ihre hohe Porosität eine extreme Oberflächenvergrößerung bieten, für Anwendungen in der Durchflussanalytik und Miniaturisierung.

Diese Vorteile der einzigartigen Membranen sind auch Axela, Inc. aus Kanada
nicht verborgen geblieben. Das Unternehmen setzt die Membranen in Biochips ein,
um DNA-Abschnitte mit einem Fluorenzenz-Scanner zu identifizieren. Der Erfolg
ist messbar: Die Hybridisierungszeit, also die Dauer des Andockens der
gesuchten DNA an die vorher aufgebrachten Fängermoleküle, wurde mit den
Membranen aus Halle auf ein Zwanzigstel reduziert.

Nach einer ersten Phase der Zusammenarbeit, die 2014 begann, wird die
Kooperation mit der nun unterzeichneten Vereinbarung deutlich erweitert. »Der
Einsatz auf einem Biochip zur Identifizierung von DNA zeigt die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Membranen. Ich freue mich, dass nach der erfolgreichen Testphase nun die Zusammenarbeit mit einem der innovativsten Unternehmen der Life-Science-Branche in Kanada ausgebaut wird«, sagt Prof. Dr. Ralf Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer IWM in Halle. Aus dem Institut hatte sich SmartMembranes, das von den beiden Chemikerinnen Monika Lelonek und Dr. Petra Göring geleitet wird, 2009 ausgegründet.

Die Unterzeichnung erfolgte im Beisein von Sven Schulze, Mitglied des
Europäischen Parlaments. Er hatte zuvor gemeinsam mit Günther Oettinger,
EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Sachsen-Anhalts
Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff, Thüringens ehemaligem
Ministerpräsidenten Dieter Althaus und Unternehmensvertretern im Bio-Zentrum
Halle diskutiert, welche Impulse der Mittelstand durch die Digitalisierung
erhalten kann.

»Die Digitalisierung bietet auch im Bereich der Materialforschung viele neue
Möglichkeiten, beispielsweise im Hinblick auf Hochdurchsatzverfahren. Diese
Chancen zu ergreifen und Pioniergeist zu entwickeln, bietet enorme
Möglichkeiten – nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für
mittelständische Unternehmen«, sagt Wehrspohn.


Publiziert am 19.11.2015