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Inklusion in der Schule: Uni Halle wirbt zwei Millionen Euro für Lehramtsausbildung ein

Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) erhält für fünf Jahre zwei Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Förderprogramm “Qualitätsoffensive Lehrerbildung”.  Gefördert wird das Projekt “Kasuistische Lehrerbildung für inklusiven Unterricht” (KALEI). Ziel des Projekts ist es, die Lehramtsausbildung im Bereich Inklusion durch einen verstärkten Fokus auf die Unterrichtspraxis zu verbessern. Auch die Einführung des Ergänzungsfachs “Deutsch als Zweitsprache” für Lehramtsstudierende ist geplant.

 

“Die Förderung innerhalb des Qualitätspakts Lehrerbildung ist ein politischer Erfolg für die Lehrerbildung in Sachsen-Anhalt und speziell für das Zentrum für Lehrerbildung in Halle”, sagt Prof. Dr. Thomas Bremer, Direktor des Zentrums an der MLU. Von mehr als 200 eingereichten Projektskizzen werden durch die Qualitätsoffensive 49 Vorhaben gefördert, in Ostdeutschland sind es sechs Projekte. Im KALEI-Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Angebote schaffen, mit denen sie Lehramtsstudierende noch besser auf inklusiven Unterricht vorbereiten können. Inklusion umfasst dabei die Auseinandersetzung mit den individuellen Voraussetzungen des Lernens einer Person, also etwa der Frage nach geistigen oder körperlichen Besonderheiten. Auch die sozialen und ökonomischen Voraussetzungen von Schülern sollen verstärkt betrachtet werden. Als dritter Bereich kommt die Interkulturalität hinzu. “Hier geht es vor allem um die sprachlichen Voraussetzungen des Lernens, also auch speziell um das Lernen für Schülerinnen und Schüler, die nicht mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen sind”, so Bremer.

 

Um den Fokus noch stärker auf die Praxis zu legen, sind neben bereits bestehenden Vorlesungen auch anwendungsbezogene Seminare geplant: “Hier erhalten die Studierenden die Möglichkeit, fallbezogen ihre eigenen Erfahrungen aus Unterrichtspraktika zu schildern.” Das können gelungene Unterrichtsbeispiele ebenso sein wie Probleme mit verhaltensauffälligen oder lernschwachen Kindern und Jugendlichen. In den Gruppen werden dann Lösungen erarbeitet, welche die Studierenden in ihrer nächsten Unterrichtsstunde ausprobieren können. Zusätzlich werden künftig auch vermehrt Praxiskurse zur Interkulturalität angeboten. Ab dem Wintersemester

 

2016/2017 können die Studierenden außerdem “Deutsch als Zweitsprache” als Ergänzungsfach studieren. Dabei handelt sich es um ein drittes Fach, das die künftigen Lehrerinnen und Lehrer zusätzlich zu ihren beiden regulären Unterrichtsfächern studieren können, um sich weiter zu spezialisieren.

 

Alle Aktionen innerhalb des KALEI-Projekts werden zudem forschend begleitet: “Sämtliche Fälle der Studierenden werden gesammelt und zu einem Katalog zusammengefasst”, berichtet Bremer weiter. Die Fälle der Hallenser werden in ein bundesweites Fallarchiv an der Universität Kassel überführt und aufbereitet. Auf Grundlage dieser Daten könne dann weiter geforscht werden. “So tragen wir mit dem Projekt auch zur Wissenssicherung und zur aktuellen Forschung bei”, resümiert Bremer.

 

Die “Qualitätsoffensive Lehrerbildung” ist ein gemeinsames Projekt des Bundes und der Länder, mit dem die Qualität der Lehramtsausbildung an deutschen Hochschulen verbessert werden soll. Der Bund stellt für das Projekt bis zu 500 Millionen Euro in den kommenden Jahren zur Verfügung.


Publiziert am 1.10.2015