Semesterstart an der Uni: “Der Laden ist voll”

Buntes, lautstarkes Treiben auf Halles Campus. Und Uni-Rektor Professor Udo Sträter macht es zur Pressekonferenz im Senatsaal kurz. „Der Laden ist voll, wir sind zufrieden“. Er lächelt. Und er darf auch lächeln. Denn zum Wintersemesterbeginn startet die Martin-Luther-Universität (MLU) – wie auch schon in den Vorjahren – mit einer enorm hohen Zahl neuer Studierender. Bis zum Stichtag, dem 30. September, haben sich sage und schreibe fast 20.000 Studierende an Halles Uni eingeschrieben.

Davon sind allein rund 2.800 Erstsemester. Fast ein Drittel aller Studierenden stammt aus den alten Bundesländern, unter den Erstsemestern sind es sogar 42 Prozent. „Wir stellen fest, dass die Universität Halle ein attraktiver Standort mit sehr guten Angeboten für junge Leute aus allen Teilen Deutschlands ist“, interpretiert der Rektor das gute Ergebnis. Trotz der kontroversen Debatte um Hochschulstrukturreformen im Land und aktueller Sparszenarien der Landesregierung bliebe die Universität was sie war und was sie ist: ein attraktiver Studienstandort für junge Leute aus Deutschland und der Welt. 3.890 neue Studierende hat die MLU zum Wintersemester immatrikuliert, darunter jene 2.800 Studierende, die überhaupt das erste Mal ein Hochschulsemester absolvieren. Und genau diese Zahl ist so bedeutsam. Denn daran orientieren sich die Vorgaben aus dem Hochschulpakt 2020. Ob es eine Zitterpartie gab, weiß man nicht. „Wir haben die Vorgaben erfüllt“, unterstreicht Sträter selbstbewusst. Unabhängig dieses Parameters sei für ihn aber weitaus wesentlicher, dass Halles Universität so viele junge Menschen anzuziehen vermag, damit von außerhalb ins Land Sachsen-Anhalt holt und den Bevölkerungsverlust entgegenwirke.

Dennoch: Studienplätze und Studierendenzahlen sind zweierlei Schuhe, machte der Rektor deutlich. Die MLU, die vom Land 13.700 Studienplätze finanziert bekommt, kann auch nur jene Kapazität an Personal und Ausstattung vorhalten. Alles was darüber hinausgehe, müsse mit den Mitteln aus dem Hochschulpakt finanziert werden. Dementsprechend werden Institute und Fakultäten, die jetzt absehbar über ihre Kapazitäten ausbilden, auch zusätzliches Geld erhalten, versprach Sträter, der noch einmal auf die vorläufigen Immatrikulationszahlen einging. Sie zeigten interessanterweise, dass bei der Herkunft der Erstsemester wie im Vorjahr das Land Niedersachsen gleich nach Sachsen-Anhalt rangiere. Gestiegen sei auch die Nachfrage aus Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, wo in diesem Jahr ein doppelter Abiturjahrgang die Gymnasien verlassen hat. Hier stieg die Zahl der Studierenden an der MLU auf immerhin 1.000 (Vorjahr 863). Der Westen holt auf. Der Rückgang von landesweiter Studierendenzahlen sei durch den Geburtenknick in Sachsen-Anhalt erklärbar.

„Den Erstsemester-Rekord von 2011 mit 3090 Ersteinschreibungen haben wir ganz knapp verpasst, wir bewegen uns aber wie in den vergangenen Jahren auf einem dauerhaft hohen – ungeachtet der demografischen Entwicklung im Osten”, sagte Sträter. Besonders beliebt sind nach wie vor die zulassungsfreien Studienangeboten der Rechtswissenschaft, der Wirtschaftswissenschaften und der Politikwissenschaft. Die meisten Einschreibungen gab es mit 465 wie im Vorjahr bei der Rechtswissenschaft – laut CHE-Ranking in Deutschland noch immer unangefochten die beste Jura-Ausbildung an einer staatlichen Hochschule.
Bei den grundständigen Studiengängen mit universitärem Numerus clausus gab es ebenfalls keine großen Überraschungen. Es bewarben sich mit Abstand die meisten Abiturienten auf das Bachelor-Studienangebot Psychologie. Die Psychologie ist demnach das beliebteste Fach mit 30 Bewerbern pro Studienplatz, gefolgt vom Lehramt Geographie mit 15 Bewerbern pro Platz.

Stärker nachgefragt waren in diesem Jahr auch die mit universitärem Numerus clausus belegten 26 Master-Studienprogramme. Insgesamt stieg die Zahl der Anträge hier im Vergleich zum Vorjahr um 795 auf 3.360 Bewerbungen an. Auch hier waren sehr stark Angebote aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften gefragt – etwa BWL mit 48 Bewerbern pro Platz – und der Masterstudienangebot Sport und Ernährung mit 18 Bewerbern pro Platz.
Gleichzeitig waren die Bewerbungen auf die grundständigen NC-Angebote jedoch leicht rückläufig, dabei zogen aber die Bewerbungen aus den westlichen Bundesländern und Berlin deutlich an. Sie lagen nach einer kontinuierlichen Steigerung in den Vorjahren nun bei 61,5 Prozent.

Der Rektor gab im Rahmen des Pressegespräches zum Studienjahresbeginn auch einen kurzen Ausblick in das Studienjahr: „Die Debatte um die geplanten Einsparmaßnahmen an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt wird uns weiterhin beschäftigen. Ein Strukturpapier aus dem Wissenschaftsministerium soll Ende Oktober vorliegen.“ Die Universität Halle trete nun gemeinsam mit den anderen Hochschulen in neue Gespräche mit dem Ministerium ein.
„Eine wesentliche Grundlage ist für uns das Gutachten des Wissenschaftsrates. Wenn es um eine gewünschte Profilbildung geht, müssen wir genau schauen, an welchen Stellen wir dem Papier folgen können.“

Der Wissenschaftsrat hatte im Juli im Auftrag der Landesregierung in seinem Gutachten eine Gesamtbetrachtung des Hochschulsystems Sachsen-Anhalts vorgelegt und Vorschläge für dessen weitere Entwicklung bis zum Jahr 2020 erarbeitet. Der Wissenschaftsrat war zu dem Schluss gekommen, dass die Hochschulen ihren regionalen und gesamtstaatlichen Auftrag erfüllen und die Schlüsselrolle in Sachsen-Anhalt zur Bewältigung der Herausforderungen des demografischen Wandels spielen. Er empfahl dem Land mit Nachdruck die nötigen Profilierungs- und Strukturmaßnahmen nicht durch sofortige Einsparungen im Hochschulbudget zu behindern. Die Landesregierung will massiv im Bereich der Hochschulen kürzen und bereits 2014 damit parallel zu einer Umstrukturierung beginnen.


Publiziert am 2.10.2013