Saline-Sommerakademie-Abschluss: „Mathe ist gar nicht langweilig“

Es gibt ja den Witz vom Mathematiker, der ein Fotogeschäft betritt und fragt: „Ich hätte gern einen Farbfilm.“ Der Verkäufer: „24 mal 36?“- darauf der Mathematiker verdutzt: „864, warum?“ Verdutzt ist wohl der richtige Ausdruck – auf beiden Seiten. Wie man jedoch so fix im Kopf, auch längere Zahlen unkompliziert multiplizieren kann, das erklärte gestern einmal Professor Albrecht Beutelspacher anhand seiner ganz unorthodoxen Rechenmethoden.

Der namhafte Mathematiker von der Justus-Liebig-Universität Gießen, der auch die beliebte TV-Wissenschaftssendung auf BR-Alpha moderiert, verblüffte so manchen Zuhörer – natürlich gewollt. Denn der 63-Jährige hielt zur Abschlussveranstaltung der 3. Saline-Sommerakademie im Salinemuseum Halle seine Gast-Vorlesung „Der Mathe-Code“ und hatte viele unterhaltsame Experimente mitgebracht. Die Zeit verflog. Und da war man auch gleich beim Thema. „Mathe ist gar nicht langweilig“. Denn Unterricht kann spannend und sogar lustig sein, wenn er gut didaktisch aufbereitet ist.

1.784 Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte nahmen Angebot wahr

Darüber sind die Akteure der Saline-Sommerakademie, die in diesem Jahr vom 29. Juni bis 5. Juli stattfand, längst überzeugt. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, Vorschulkindern und Jugendlichen lange vorab des Berufswunsches und der Studienwahl für die technischen und naturwissenschaftlichen Fächer zu begeistern. Das Ganze spielerisch und dennoch lehrreich durch Experimente und spannende Vorträge. Abermals konnten in diesem Jahr mit diesem außerschulischen Lernformat etliche Jungen und Mädchen für die MINT-Berufe begeistert werden. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die Resonanz ist beeindruckend und gibt den Akteuren recht: 1.784 Kinder, Jugendliche und Lehrkräfte konnten 2013 sich in 115 verschiedenen Projekt-Angeboten beweisen und ausprobieren.

Nun ist es an der Zeit durchzuatmen und über Erfahrungen zu reden. Mit einer Abschlussveranstaltung, organisiert von der Agentur für Arbeit Halle, sollte gestern den Partnern und Unterstützern der Akademie, darunter zahlreichen Unternehmen, Bildungsträgern und Institutionen gedankt werden. Unterstützt wird das Programm zudem von der „Jobperspektive mit Energie“, ein Gemeinschaftsprojekt der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM), Stadtwerke Halle GmbH, bildungszentrum energie GmbH (bze) und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit.

„An unserem Ziel, junge Menschen besser an Technik und Naturwissenschaften heranzuführen, wollen wir weiterarbeiten und als Agentur unseren Beitrag leisten“, unterstrich Arbeitsagentur-Chefin Petra Bratzke. Den Staatsekretär im Landes-Wissenschaftsministerium, Marco Tullner, beschäftigt indes die Frage, warum diese MINT-Fächer so ins Hintertreffen geraten sind. „Man kann nicht früh genug anfangen, bei Kindern wieder die Neugier zu wecken.“ Das mache diese Veranstaltung auch so wichtig.

Hausherr Steffen Kohlert, Geschäftsführer des Technischen Halloren- und Salinemuseums, unterstrich diesen Gedanken und setzte ihn fort. Er ging auf das neue Profil des Museums als außerschulischen Lernort ein. „Davon gibt es im Land noch zu wenige“, so der Sozialpädagoge.

„Technischer Unterricht ist das Stiefkind in der Schule.“

Professor Elke Hartmann vom VDI Hallkescher Bezirksverein und Angela Papenburg, Geschäftsführerin der Papenburg Bau- und Verwaltungsgesellschaft Halle, blickten zurück auf die Veranstaltung. Papenburg richtete ihren Dank speziell an die Akteure: „Gut die Hälfte aller, die heute da sind, sind auch bei den Verantwortungspartnern aktiv“, so die 45-Jährige. Hartmann schwor die Gäste ein, die Sommer-Akademie als außerschulisches Bildungsangebot weiter zu unterstützen und inhaltsmäßig zu vertiefen, um frühzeitig Begabungen bei Kindern zu entwickeln. Die letzten zehn Jahre hätten gezeigt, dass es immer schwieriger werde, junge Leute für die MINT-Fächer zu begeistern. Hartmann: „Technischer Unterricht ist das Stiefkind in der Schule.“ Der Ansatz der Sommer-Akademie wirke dem entgegen. „Denn Kinder erfahren hier, wie man ein Problem über technische Möglichkeiten lösen kann. Das ist typische Ingenieursarbeit, quasi von der Idee zum Produkt“, so Hartmann.

Die vierte Auflage der Sommerakademie 2014 wird vom 7. bis 17. Juli stattfinden. Die parallel veranstaltete MINT-Messe läuft am 5. Juli.

Interessierte Unternehmen, welche Projekte im MINT-Bereich auf der Saline anbieten wollen, können sich gern anmelden unter anke.rall@salinemuseum.de


Publiziert am 1.10.2013